Wenck-Familie und Vorfahren – Adam Heinrich Ludwig Wenck

Das Leben und Wirken des
Adam Heinrich Ludwig Wenck
aus Brüheim

Adam Heinrich Ludwig Wenck
(nannte sich als Musiker  August Heinrich Wenck, auch Wenk)

Komponist, Harmonikaspieler, Instrumentenbauer, herzogl. Secretaire
Sohn des Rittmeisters, Capitäns und Trompeters des Herzogl. Gothaischen Landdragonerregiments
Johann Michael Wenck und seiner Ehefrau, der Freiin Christine Philippine von Wangenheim aus Brüheim

* 1753  in Brüheim, Gotha, Thüringen, evangelisch

+ 14. December 1811 in Amsterdam, 58jährig

wohnhaft nach 1805 in der Korte Leidsedwarsstraat No. 144 (heute No. 40)

 

Heirat:

OO 20. November 1796 in Brüheim, Gotha

Fräulein Jeanette Therese von Montbé aus Kursachsen, des  Chursächs. Hauptmanns von Montbé  3. Tochter

 

Kinder:

  1. Johanne Philippine Juliane Wenck   * 24.12.1797   Brüheim, Gotha
  2. Maximilian Friedrich Ludwig Wenck * 26.08.1801,  getauft in Nordhofen
  3. Joseph Friedrich August Wenck       * 16.02.1803   Brüheim,  + 21.06.1855   Brüheim
  4. Sohn NN                                       *   nach 1804   Brüheim

ADAM  HEINRICH LUDWIG WENCK

SEINE KINDHEIT UND JUGEND IN BRÜHEIM UND GOTHA VON  1753-1778                   

Adam Heinrich Ludwig  erblickte als 2. Kind des Ehepaares Johann Michael Wenck und seiner Ehefrau Christine Philippine von Wangenheim in Brüheim das Licht der Welt.

Da bei einem Brand im Jahre 1757 die Brüheimer Kirche mitsamt Kirchenbüchern vernichtet wurden, finden wir in allen späteren Quellen immer nur die Angabe: geboren „um 1750“.

Die wenigen vorhandenen Einträge aus den Kirchenbüchern Brüheims stammen erst aus der Zeit nach dem Brand 1757.

Unter anderem sein Heiratseintrag  aus dem Jahre 1796 und die Geburten seiner Kinder aus den Jahren 1797, 1801, 1803.

Ob der Bub’ die Brüheimer Dorfschule besucht hat, wissen wir nicht. Wahrscheinlicher ist, dass ihn seine Eltern nach Gotha auf die Lateinschule geschickt haben, um ihm eine möglichst hohe und vielseitige Bildung angedeihen zu lassen.

Hervorragende Gelehrte verbreiteten damals am Hofe des Herzogs in Gotha neue Ideen, führten das Fachlehrersystem ein, schufen eine Bibliothek und förderten begabte Kinder „dasz hier die Bauern gelehrter seyen, als anderswo die Edelsleut“.

Bereits im Alter von 5 bis 14 Jahren wurden die Kinder in Latein und Kirchengesang unterwiesen und lernten im Lateinunterricht Lesen und Schreiben.

Ernst Gerber, Lexikograph, 1746-1829,  ein Zeitgenosse Adams, beschreibt in seinem 1790 herausgegebenen „Historisch-Biographisches Lexikon der Tonkünstler“, dass Adam Heinrich Ludwig Wenck in Gotha Unterricht auf der Violine vom Herzogl. Violinisten Hatasch erhielt“.

Und von keinem Geringeren als dem Kapelldirektor am Hofe Friedrichs III. von Sachsen-Gotha Georg Benda selbst, wurde der junge Adam auf dem Klavier und in der Komposition unterwiesen.

„Als dieser, sein würdiger Lehrer, seine Stelle in Gotha niederlegte, folgte er ihm 1778 nach Paris“ im Alter von 25 Jahren.

Paris war in der 2. Hälfte des 18. Jh. das führende europäische Zentrum der musikalischen Darbietung und des Musikverlagswesens, so Grove.

 

DIE PARISER JAHRE VON  1778-1792 

In Paris hielt sich Adam Heinrich Ludwig Wenck fast 14 Jahre auf und „machte verschiedene seiner Kompositionen fürs Klavier durch den Stich von da aus bekannt“, so Gerber.

Er wirkte unter dem Namen  AUGUST HEINRICH WENCK  als Harmonikavirtuose und Herausgeber von Arrangements, die Auftragsarbeiten der Pariser Verleger Boyer und Sieber waren.

Arrangeure unterschieden sich von Komponisten in der Hinsicht, dass sie zu vorgegebenen Melodien und Harmonien einen musikalischen tonsatz schrieben, was viele Komponisten nicht beherrschten.

In der Berliner Staatsbibliothek , Unter den Linden, Musikabteilung, befindet sich folgender Titel aus dieser Zeit.

Musikdruck

Le Barbier De Seville: Comedie Lirique En IV. Actes/Musique De Mr. Paisiello. Traduite de l’Italian par Mr. Moline.

Les Recitatifs sont de la Composition de Mr. Wenck.

Verfasser:       Giovanni Paisiello  * 1740-1816, Guiseppe Petrosellini * 1727-1797,

Pierre Moline  *1739-1820, August Heinrich Wenck, *  2. H. 18. Jh. –  ?

Ausgabe:           Partitur

Erschienen:       Paris ca. 1786

Umfang:           316 S.

Basiert auf der Ausgabe von  Wenck & Boyer, Paris 

Bereit 1784 ist August Heinrich Wenck Herausgeber der „Auenbrugger Sonaten“ von Joseph Haydn mit einer Violinbegleitung von ihm.

Haydn widmete seine Klaviersonaten seiner Schülerin Marianne Auenbrugger, eine in Wien hochangesehene Pianistin und Komponistin.

Als Haydn 1791/92 in Paris weilte, bemühten sich die Musikverleger Wenck & Boyer um die Herausgabe seiner Werke.

Vor diesem Hintergrund können wir sagen, August Heinrich Wenck und Joseph Haydn sind sich in Paris begegnet.

Weitere Kompositionen von Wenck aus dieser Zeit erscheinen im Selbstverlag.

Bei meinen Recherchen im Internet entdeckte ich im  „Cataloque les Conservatoire de Paris“ folgenden Hinweis auf Wenck’s Schaffen:

Wenck, August Heinrich  (17.. – ca. 1814), compositeur

Premiere partie de la Collection des airs de danse de differents caracteres, arranges pour le forte piano ou clavecin avec accompagnement de violon et basse (a volonté) par A.H. Wenck. Ce recueil fait suite du no.1 des Varietes musicales pour le forte-piano ou clavecin …”

Paris: Wenck, Boyer, Baillon (ca. 1784), 3 parties; 36 cm, Notes: Parties: cemb., vl.,b.” 

“Im Paris dieser Zeit galt als einer der neusten modischen Zeitvertreibe in Gesellschaften das musikalische Würfelspiel, wo jedermann, der nur ein bischen Klavier spielen kann, vermittelst zweier Würfel und eines Notenblatts, Menuette ins Unendliche komponieren kann“, heißt es 1787 im Pariser Journal des Luxus und der Moden in einer Einleitung zu einem der „Musikalischen Würfelspiele“.

Auch August Heinrich Wenck versucht sich 1780 daran.

Weitere Kompositionen aus diesen Jahren sind:

Six petites Sonates pour le clavecin ou le forte-piano, op. 1, Paris, Selbstverlag

Sonates et pieces pour le forte-piano, op. 2, Paris

1-re Simphonie op. 3, Paris 1794

“Seine Kompositionen tragen Merkmale eines Übergangstiles mit frühromantischen und naturpoetischen Zügen, der Klaviersatz ist deutlich auf das Forte Piano ausgerichtet”, so Friedrich Blume in Musik in Geschichte und Gegenwart, Bd. 14, 1968.

Leider sind nach  GERBER  Wenck’s Werke um 1798 nur noch zu einem kleinen Teil nachweisbar. Deshalb war es mir wichtig, alle gefundenen Titel von ihm zu dokumentieren.

Die Rückkehr nach Gotha 1792 und die anschließende Schaffensperiode bis 1806 auf seinem Landgut in Brüheim

Nach 14 Jahren Aufenthalt in Paris kehrte Adam Heinrich Ludwig Wenck in seine Thüringische Heimat , nach Brüheim, zurück.

Dem Gothaischen Herzog blieben nach Rückkunft des Musico Adams Talente und Verdienste nicht lange verborgen. Er ernannte ihn „ehrenhalber zum Secretaire am herzoglichen Hofe“.

Acta

Das dem Musico Adam Heinrich Ludwig Wenck zu Brüheim ertheilte Prädicat eines  Secretarii  betr.  1792  Decret für den Secretarium Adam Heinrich Ludwig Wenck zu Brüheim ist  G G  Ernst Herzog zu Gotha gegeben

 

Nachdem wir resolviret haben, Adam Heinrich Ludwig Wenck zu Brüheim wegen seiner uns bekannten guten und gefälligen Eigenschaften das Prädicat eines Secretarii beyzulegen, als ist demselben zu seiner Legitimation das gegenwärtige von uns eigenhändig vollzogene und mit unserem Herzoglichen Siegel versehene Decret ausgefertigt worden.

Friedenstein, den 16ten Januar 1792

                                                                       Ernst Herzog von Sachsen

 

Bei Recherchen im Gothaer Schloß Friedenstein befindlichen Thüringischen Staatsarchiv, wo seit Gründung des Herzogtums Gotha 1640/41 Urkunden, Amtsbücher und Akten des Haus-, Hof- und Kriegsstaats Gotha aufbewahrt wurden,  wurde ich fündig.

Hinweise auf den Namen  WENCK , auch in Verbindung mit denen  von  WANGENHEIM vervollständigten das um unsere Vorfahren.

 

Der Zeitgenosse   GERBER  beschreibt in seinem Historisch-Biographischen Lexikon der Tonkünstler auf Seite 544, daß  „Wenck aber jede Art von Anstellung und Abhängigkeit vermied und fortan freischaffend auf seinem Landgut in Brüheim, seinem Geburtsort lebte. Hier beschäftigte er sich außer mit Komposition und dem Studium seiner Instrumente, mit der Verfertigung mehrerer Fortepianos, welche sehr gefragt waren, besonders aber mit der Verbesserung und der Vervollkommnung seines Lieblingsinstruments, die  Glasharmonika.

Von Zeit zu Zeit unternahm der mit diesem Instrument als Virtuose mehrere Reisen, u.a. auch nach Holland und kehrte jedes Mal mit Beyfall belohnt, in seine Heimat zurück“.

Bei meiner ersten Begegnung mit  Wenck’s Glasharmonika im Regionalmuseum der Stiftung Schloß Friedenstein in Gotha  überkam mich eine tiefe Rührung, als ich meine Hand auf dieses wunderbare Instrument unseres Ur-Ur-Ur-Ur-Großvaters legen konnte.

„In den Jahren seiner Muße“, schreibt GERBER weiter, „hat Adam auf seinem Gute zu Brüheim Vieles für sein Lieblingsinstrument, die Glasharmonika, fürs Klavier, für die Violine und selbst für den Gesang geschrieben.

Besonders beurkunden 3 Violintrios und 1 Fagottkonzert seine gründlichen Kenntnisse und seinen Geschmack vollkommen.

Zu seinen gestochenen Kompositionen gehören unstreitig jene Pariser VI Klaviersonaten, nebst einem Pot-Pourri“.

Hinzu kommen Arrangements von zeitgenössischen Opern (Grètry. Desaugiers), Musik für den Hausgebrauch, darunter La chasse von Haydn, und „Die Laube“ (G. Eck) für Klavier und Gesang, um 1798.

1798 ist auch das Jahr, in dem Adam Heinrich Ludwig Wenck ein verbessertes Chronometer entwickelte.

Und wieder ist es GERBER, der darüber berichtet: „ Endlich suchte er auch den sogenannten Taktmesser zu verbessern und zweckmäßiger einzurichten und kündigte diese Maschine für Liebhaber 1798 von Brüheim aus unter dem Titel ‚Beschreibung eines Chronometers oder musikalischen Tactmessers’ an, einer Pendeluhr ähnlich, für 1 Louisd’or das Stück  und verfertigte eine große Anzahl derselben“.

Die Abbildung zeigt das Pyramiden-Metronom von Johann Nepomuk Mälzel 1815, das zur Sammlung des Musee de la Musique Paris gehört.

 

Mälzels Metronom = Diederich Nicolaus Winklers Metronom =  August Heinrich Wenck’s Chronometer ?

Mälzel (1722-1838) baute Musikinstrumente und Musikautomaten. Er brachte von Wien aus  „ein Gerät auf den Markt, auf das die Komponisten und Musiker schon lange gewartet hatten, ein Gerät zur exakten Zeitmessung und Taktansage:  das Metronom. Er hatte das Metronom nicht selbst erfunden, sondern nur mit einer Skala versehen, in ein pyramidenähnliches Gehäuse verpackt und unter dem Produktionsschlüssel „M.M. in großem Stil vertrieben.

Konstruiert hatte es 1814 der Westfale Diederich Nicolaus Winkel.

Mälzel hatte ihn 1815 in seiner Werkstatt in Amsterdam besucht und dort sofort den Wert dessen erkannt, was er vorgeführt bekam. Er produzierte den Chronometer in Wien und Paris als „M.M.“ in Serie.

Der übergangene Erfinder zerrte Mälzel vor den Kali mit einem Plagiatsvorwurf 1820 in Amsterdam. Der Angeklagte gestand, von Diederich Nicolaus Winkler wichtige Konstruktionscharakteristika übernommen zu haben“, veröffentlicht in Regensburger Jahresthema 2006. Die Verbindungen: Mälzels Metronom, by Google.

Nun beschäftigte sich aber auch unser Musico August Heinrich Wenck 1798 mit der Verbesserung des ihm aus seiner Pariser Zeit bekannten Taktmessers und kündigte diese Maschine von Brüheim aus an.

1806 begegneten sich Diederich Nicolaus Winkler und August Heinrich Wenck in Amsterdam, genau in der Zeit, als dort der „Mechanicus“ Winkler sein Metronom konstruierte. Davon weiß Franzpeter Goebel im MGG, Bd, 14, 1968, zu berichten,  „dass Amsterdam praktikablen Musikern wie Wenck ausgezeichnete Entfaltungsmöglichkeiten bot, zumal auch sein Geistesverwandter, der ‚Mechanicus’ D.N. Winkler dort wirkt“.

Der Musikwissenschaftler Helmut Breidenstein schrieb mir, „Mälzel hat Winkel um ca. 1812 besucht, als er selbst mit der Konstruktion seines Metronoms beschäftigt war, und es ist nicht ausgeschlossen, dass er des weniger geschäftstüchtigen Winkels Systeme abgekupfert hat.

Es wäre interessant zu wissen, ob Winkel seinerseits die Idee dazu vielleicht von Ihrem 4.Urgroßvater Wenck hatte“!

Das werden wir wohl nie erfahren.